Benvenuti nella mediateca

Einleitung: Die Hörstationen
Roberto Leydis Welt ist hauptsächlich eine Klangwelt. Der Titel der Ausstellung, Sentite buona gente (Hört, ihr guten Leute), wurde nicht nur wegen seiner Aufmerksamkeit heischenden Wirkung gewählt, sondern weil auch eine erfolgreiche Radiosendung Roberto Leydis und eine von ihm organisierte Bühnendarbietung, wovon Ausschnitte hier im Hintergrund abgespielt werden, diesen Titel trugen.

In diesem Raum taucht man in Leydis kostbares Klanguniversum ein, wobei dem Besucher die Möglichkeit gegeben wird, in Tondokumente verschiedenster Herkunft hineinzuhören. Ausser dem Querschnitt – nur eine kleine Auswahl – aus dem Nachlass Leydi, können auch weitere Aufnahmen abgehört werden, die den Archiven des Schweizer Radios RSI und der Schweizer Nationalphonothek entstammen. Mit diesen externen Beiträge wird der Nachlass Leydi in ein erweitertes Panorama eingefügt, das den ganzen, zentralalpinen Raum abdeckt und Hörproben aus den rätoromanischen, deutschen und französischen Sprachregionen anbietet.

Die Aufnahmen sind folgendermassen unterteilt:
  • Nachlass Roberto Leydi: Aufnahmen und Produktionen von Roberto Leydi
  • Nachlass Roberto Leydi: Interessensgebiete von Roberto Leydi
  • Nachlass Roberto Leydi: Bühnendarbietungen, organisiert von Roberto Leydi
  • Schweizer Radio RSI: Radiosendungen, moderiert von Roberto Leydi
  • Anthologie mit Liedern und Volksmusik der italienischen Schweiz
  • Schweizer Nationalphonothek: Aufnahmen von Alfons Maissen und Hanny Christen
An zwei Stellen wurden Videofilme installiert, die Interviews und Ausschnitte aus Fernsehsendungen zeigen, bei welchen Roberto Leydi mitgewirkt hat. Dazu kommen als weitere Exponate eine Auswahl von Schallplatten-Hüllen aus dem Nachlass Leydi.
Der gesamte Nachlass an Tondokumenten von Roberto Leydi, der dank dem Beitrag von Memoriav auf digitale Tonträger überspielt werden konnte, ist im Centro di dialettologia e di etnografia in Bellinzona zugänglich.
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Der Nachlass Roberto Leydi
  • Aufnahmen und Produktionen. Aus den insgesamt 1572 Tonbändern, hauptsächlich mit Feldforschungsaufnahmen von Roberto Leydi und seinen Mitarbeitern und einigen daraus resultierenden Produktionen mit Interpreten des Folk Revival, wurde eine Auswahl von ungefähr 200 Stücken getroffen, die der Besucher anhören kann.
  • Die Interessensgebiete. Im Verlauf der Jahre hat Roberto Leydi fast 10'000 CD’s, LP’s und MC’s gesammelt. Auch davon steht dem Besucher eine Auswahl von rund 200 Titeln, die das breite Spektrum von Leydis Interessen aufzeigt, zum Anhören zur Verfügung.
  • Bühnendarbietungen. Von den zahlreichen Aufnahmen der von Leydi veranstalteten Bühnenauftritten wurden aus Milanin Milanon (Mailand, 1963), Bella ciao (Mailand, 1965), La canzone narrativa [Das erzählende Lied] (1966) und Sentite buona gente [Hört, ihr guten Leute] (Mailand, 1967; Bologna, 1975) eine Anzahl Beispiele für die Abhörstelle ausgewählt, die in etwa 150 Stücken entspricht.
  • Schweizer Radio RSI. Während seiner langen Zusammenarbeit mit dem Schweizer Radio RSI, vor allem mit dem Kultursender Rete Due ab den 1960er Jahren, hat Roberto Leydi eine Vielzahl an Sendungen moderiert. Daraus wurden 40 Hörproben aus den Serien Sentite buona gente, Altre onde und aus Sondersendungen ausgewählt (Herkunft: Teche RSI).
Anthologie der italienischen Schweiz
Aus dem reichhaltigen und vielfältigen Volkslieder- und Volksmusikschatz der italienischen Schweiz, wurde eine Anthologie mit ungefähr 200 Stücken zusammengestellt, die von Laiensängern und Formationen, die noch bis vor wenigen Jahren oder auch heute noch aktiv sind, interpretiert werden. Alle ausgewählten Stücke wurden von Publikationen der Interpreten und von Tonträgern aus dem Archivbestand des Schweizer Radios RSI und der Schweizer Nationalphonothek kopiert.

Schweizer Nationalphonothek
Die Nationalphonothek ist das Tonarchiv der Schweiz. 1987 gegründet, sammelt und dokumentiert sie Tonträger, deren musikalische und gesprochenen Inhalte einen Bezug zur Geschichte und Kultur der Schweiz haben.

Es werden Stücke aus zwei besonders interessanten Beständen vorgestellt: Die Nachlässe von Hanny Christen und Alfons Maissen. Die Bewahrung, Erfassung und Digitalisierung dieses Tonmaterials war dank der Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz (Nachlass Christen) und des Instituts für Kulturforschung Graubünden (Nachlass Maissen) möglich, nicht zuletzt mittels der Unterstützung durch Memoriav.

Hanny Christen (Liestal, 1899 – Basel, 1976)
Nach einer ausgezeichneten musikalischen Bildung (Geige, Cello, Gesang und Tanz) widmete sich Hanny Christen sehr bald volkskundlichen Studien und Forschungen, wobei sie seit den 1940er Jahren während rund 20 Jahren in allen Regionen der Schweiz Tausende von Volkstänzen und Volksliedern sammelte. Zuerst hielt sie diese handschriftlich in ihren Notizbüchern und mit akkuraten Melodie-Transkriptionen fest. In einer zweiten Phase während der letzten acht Jahre ihrer aktiven Sammeltätigkeit, suchte sie ihre vielen Gewährsleute nochmals auf, um die Melodien und Lieder als authentisches Tondokument festzuhalten. Damit ergänzte sie ihre Sammlung mit Feldaufnahmen auf rund 70 Tonbändern. 1963 übergab Hanny Christen ihre ganze Sammlung der Universitätsbibliothek Basel, wo sie während vieler Jahre unbeachtet und vergessen blieb. Erst 2002 konnten, dank der Wiederentdeckung und Bearbeitung der Sammlung durch den Zürcher Komponisten, Musiker und Verleger Fabian Müller, über 10'000 Volkstänzen in der 10-bändigen Anthologie Schweizer Volksmusik-Sammlung veröffentlicht werden. Die Tonbänder wurden vor einigen Jahren als Donation des Neffen von Hanny Christen der Schweizer Nationalphonothek überlassen.

Die hier ausgewählten Tonbeispiele laden den Besucher auf eine Reise mit Hanny Christen durch die Schweiz ein, während der Volksmusik, gespielt auf typischen Instrumenten, und Volkslieder gesungen in den Sprachen und Dialekten der verschiedenen Regionen zu hören sind.
Die Reise beginnt mit Aufnahmen von Walsern aus dem Goms, die ins italienische Pomattertal und bis hinunter nach Macugnaga ausgewandert sind. Ihre Spuren zurückverfolgend ist der nächste Halt im Oberen Wallis (Goms) und von da geht es weiter ins Val d'Anniviers (Eifischtal) im französischsprachigen Wallis. Dann machen wir Halt im Kanton Bern, in Oberhofen am Thunersee und in Adelboden. Von Plaffeien im Kanton Freiburg reisen wir direkt in die Ostschweiz, nämlich ins Appenzellerland, ins Toggenburg und ins Bündnerland. Schliesslich begeben wir uns noch in die Innerschweiz, nach Kerns im Kanton Obwalden, und gelangen in Göschenen, im Herzen der Schweiz, ans Ende der Reise.

Alfons Maissen (Illanz, 1905 - Chur, 2003)
Nach seiner Ausbildung als Lehrer unternahm Maissen ein Zweitstudium in Musik- und Gesang in Freiburg, sowie in Romanistik in Zürich, wo er 1943 den Doktortitel erlangte. 1946-70 war er Lehrer für Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch am Lehrerseminar in Chur. Rätoromanischer Volkskundler, Philologe, unermüdlicher Forscher und Sammler von Objekten der materiellen Kultur und Initiator des Museum regiunal Surselva in Ilanz, legte er auch eine Sammlung von ca. 3'000 rätoromanischen Volks- und Kirchenliedern an und edierte 1945 mit Werner Wehrli und Andrea Schorta die Lieder der Consolaziun dell'olma devoziusa. Sein Nachlass, eine Schenkung seiner Frau an das Dicziunari Rumantsch Grischun (DRG), ist für die Bündner Kulturgeschichte von ausserordentlicher Bedeutung.